Nun ist es also auch um den Münchener Nahverkehr geschehen. Zahllose Jugendliche haben die S-Bahnen für ein großes Abschiedsgesaufe mißbraucht und dabei einiges in den Zügen zerstört. Der Grund des mobilen Saufgelages war der letzte Tag, an dem noch Alkohol in den Zügen getrunken werden darf.
Ein Verbot vom Konsum von Alkohol gibt es mittlerweile immer häufiger. Ob im Haburger Nahverkehr, der Düsseldorfer Rheinbahn oder der Innenstadt von Rotterdam (hier kostet es sogar 50 € – Stand 2005). Aber was bewirkt ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit, bzw. im öffentlichen Personennahverkehr? Den einzigen Vorteil den ich sehe ist, dass die Gefäße von alkholischen Getränken nicht mehr durch die Bahn rollen und teilweise den Fußboden versauen. Allerdings rollen auch duzende von Red Bull Dosen oder ähnlichem allein im VRR durch die Bahnen. Auch aus diesen Gefäßen können Getränkerückstände auf den Boden laufen und ihn versauen. Ob nun ausgelaufener Vodka oder ausgelaufene Cola besser ist, mag jeder nach Geruch und Klebefaktor selbst beantworten. Und ob ausgelaufener Kaffee auf meinem Sitz soviel besser ist als Bier mag man auch in Frage stellen.
Aber was ist mit den Betrunkenen? Wenn der (unzweifelhaft) nervige Junggesell(inn)enabschied (auch hier sollte man die weibliche Form berücksichtigen, Gleichberechtigung fängt auch beim “auf die Nerven gehen” an) neben einem gefeiert wird, zählt man innerlich schon die Sekunden herunter, bis der Zug, Bus, Straßenbahn oder sonstwas, endlich die Haltestelle erreicht hat, oder man wechselt zügig den Platz. Hierfür wird auch mal gerne eine längere Fahrtstrecke stehend verbracht, was durchaus angemessen ist. Wer so einen Haufen mal gesehen hat, bevor er die Düsseldorfer Altstadt erreicht hat, weiß, dass dieser bereits voll wie ein Brauereipferd in den Zug einsteigt. Auch Fußballfans, Rückkehrer aus der Disco / Kneipe achten nicht besonders auf den Blutalkoholwert beim Einsteigen oder schlafen ihren gegebenenfalls vorhandenen Rausch am Bahnhof ihres Vertrauens aus. Und die Klientel die den Rausch am Bahnhof ausschläft, will man ja durch solche Verbote loswerden.
Ein Alkoholverbot unterscheidet sich auch vom Rauchverbot. Wenn jemand neben mir in der Kneipe, der S-Bahn oder sonstwo raucht, so atme ich seinen Rauch mit ein. Auch wenn ich es gar nicht will. Das Rauchen zum Schutze der Nichtraucher aus solchen öffentlichen Bereichen zu verbieten finde ich richtig und wird auch von mir unterstützt. Ein Passivtrinken ist mir bislang nicht bekannt. Es bedarf schon eines Uri Gellers, damit man als unbeteiligter betrunken wird.
Alles in allem wieder einmal der Versuch, den Menschen ein gesteigertes Sicherheitsgefühl zu suggerieren. Es ist Schade, dass in so einem Fall keine Entrüstung zum Vorschein kommt. Niemand hat durch das Alkoholverbot einen Vorteil. Es schränkt die Freiheit ein, meine Freiheit ein Bier trinken zu können wo und wann ich will. Der Gedanke, dass sich Politiker dafür feiern lassen und eventuell auch wiedergewählt werden, lässt jedes Bier schaal und warm werden.
Echt heftig, dass bald nirgendswo mehr getrunken werden darf.
So ein Feierabendbierchen in Ehren darf doch keiner verwehren.
Jetzt ist auch noch Kim Jong Il gestorben und alles geht den Bach runter!
Ich freu mich jetzt schon auf den Frühling 2012 (weil es im April meistens wärmer ist als im August) und ein Bierchen auf meinem Balkon.
Bis bald!
Kommentar von Schmiddi — Dezember 19, 2011 @ 10:48 am